Pragmatistische Politikdidaktik


 

Pragmatistische Politikdidaktik im wissenschaftlichen Diskurs

 

(Rezensionen: FPU, GWP, POLIS, Politik unterrichten)

 

BuchtitelPragmatistische Politikdidaktik


Making It Explicit


Die Geschichte der Politischen Bildung in der Bundesrepublik hat Gesamtkonzeptionen hervorgebracht,
deren philosophische Referenztheorien in den Jahren nach 1968 zu einer Lagerbildung
geführt haben. In der Zeit nach dem Beutelsbacher Konsens (1976), der den Richtungsstreit der
nachachtundsechziger Jahre beendet hat, ereignete sich eine „Professionalisierung“, die auch
mit einem Verzicht auf Theoriebildung einhergegangen ist.
Der Autor zeigt in diesem Buch erstens, dass die Politikdidaktik auch in oder gerade wegen ihrer
Hinwendung zur Praxis, zu Alltagsfragen und zu Methodenfragen nicht theorielos ist. Zweitens
benennt er Gründe, die es nahelegen, dem Pragmatismus den Status einer Bezugs- oder Metatheorie
der Politikdidaktik zuzuerkennen.
Der Untertitel „Making It Explicit“ bringt dabei zum Ausdruck, dass eine pragmatistische Grundlegung
keine konstitutive Neuerfindung ist, sondern lediglich die deklaratorische Explikation einer
immer schon vorhandenen Bezugstheorie, deren Existenz in den verschiedenen
politikdidaktischen Konzeptionen bislang versteckt geblieben ist.
An vier Praxisbeispielen wird abschließend demonstriert, wie sehr pragmatistische Elemente in
den Unterrichtsalltag hineinwirken. Damit werden die – Allgemeingültigkeit beanspruchenden –
theoretischen Einlassungen für die Politische Bildung in der Schule fruchtbar gemacht.

 Verschiedene Anläufe, den Pragmatismus auf der Basis der Erziehungsphilosophie von John Dewey hoffähig zu machen, waren nur mäßig erfolgreich, weil Deweys  Konzept normativ zu schwach ist. Erfolg versprechender erscheint dagegen der Rekurs auf den Urvater des Pragmatismus Charles Sanders Peirce, dessen pragmatistische Erkenntnistheorie eine beachtliche Relevanz für ein normatives Konzept der Politischen Bildung entfaltet, zumal im Pragmatismus à la Peirce eine Aufhebung anderer Bezugstheorien gelingen kann. Noch bevor der Terminus lebendig wurde, hat Peirce mit seiner Pragmatischen Maxime den linguistic turn vollzogen. Sein Pragmatismus kann somit z.B. auch konstruktivistische Elemente integrieren. Daraus ergeben sich interessante Ansätze für eine pragmatistische Grundlegung der Politischen Bildung.

Siehe in diesem Zusammenhang auch die Dokumentation einer Diskussion zwischen Bernhard Sutor und Armin Scherb zur Frage "Praktische Philosophie oder Pragmatismus?". 

Literaturhinweise